Das erste was ich dachte, als ich meinen ersten Feierabend machen konnte, war, “Gott sei Dank bist du Gesund und nicht von anderen Menschen abhängig”. Man lernt das Leben viel mehr schätzen, wenn man sieht, wie zerbrechlich es ist.
Seit Anfang Januar arbeite ich im Rahmen meiner Ausbildung in einem Altenpflegeheim. Das ist das erste Mal, dass ich mit der Altenpflege in Kontakt komme und ich muss schon sagen, dass die ersten paar Tage mich ein bisschen schockten.
Wenn man diese ganzen schwachen, alten Menschen sieht, die kaum noch laufen, essen oder gar sprechen können, hat man schon erst mal ein mulmiges Gefühl. Diese apathischen Blicke machen mich wahnsinnig. Ich will helfen, aber kann meistens nicht. Weil die Bewohner nicht können.
Auf der Demenz-Station, in der ich eingesetzt bin, liegt zurzeit eine Frau im Sterben. Morgen oder übermorgen ist es dann wohl so weit, dass auch die letzten Körperfunktionen, die noch vorhanden sind, aussetzen und die arme Frau endlich befreit wird. Gestern hat sie noch gegessen und ich konnte sie mit einem aufmunternden Gespräch zum lächeln bringen. Das Erfolgserlebnis hielt bis heute an, als ich die Nachricht bekam, dass die alte Dame nahezu regungslos im Bett liegt, nicht bewegt werden kann und sich nicht mal mehr füttern lässt. Viel kann man für die fast hundert-jährige Frau wohl kaum noch tun.
Meine Kollegen fangen mich Gott sei Dank immer wieder auf und bringen mich dazu, einen Gewissen Abstand zu den Bewohnern zu bewahren, um nicht selbst an der Arbeit kaputt zu gehen. Um ehrlich zu sein bewundere ich diese Menschen, die so professionell mit Leben und Tod umgehen können. Ich, für meinen Teil, bin froh, wenn ich das Praktikum in gut drei Wochen hinter mir habe.
Auf der Neon-Webseite gibt es einen schönen, kleinen Artikel, der zum Thema passt.
Bis bald. Tschöö.