„Konservative“ Politik. Aha.

Am Montag fand in Leipzig die so genannte „Blaue Runde in Sachsen mit Dr. Frauke Petry“ statt. Mit einem Sack voller kritischer Fragen nahm ich mir vor in der Veranstaltung mit dem wunderschönen Titel „Migrationspakt – die tickende Zeitbombe!“ Haltung zu zeigen und begab mich also mit dem Vorhaben, unbedingt meine Meinung zu sagen, zur Alten Handelsbörse, einem ehrwürdigen, wunderschönen Barockgebäude mitten im Zentrum der Messestadt.

Nach einem etwa halbstündigen Impulsvortrag der sächsischen Landtags- und Bundestagsabgeordneten begann eine teils kontroverse, jedoch sehr (sagen wir mal …) entspannte Diskussion in kleinem Rahmen. Meiner Schätzung nach waren etwa 30 Personen anwesend. Unter ihnen eine Hand voll besorgte Bürger, einige Petry-Fans, aber auch junge, kritische, aufgeklärte Fragensteller.

Neben ihren kritischen Erläuterungen zum Migrationspakt, denen ich in ihrer Gänze eigentlich nur widersprechen kann, sowie der Idee der Einführung einer Parallelwährung (der „Neumark“), um Sicherheit im Falle eines Euro-Crashes zu haben (ebenso total undurchsichtig), hat mich vor allem ein Wort, das sie ständig nutzte, besonders betroffen gemacht.

„Armutsmigration“. Dazu müsst ihr wissen: Auch ich migrierte vor einigen Jahren aus Russland nach Deutschland zusammen mit meiner Mutter. War quasi arm. Bin somit also ein klassischer Wirtschaftsflüchtling.

Doch „Armutsmigration“ impliziert noch so viel mehr als die bloße wirtschaftliche Verbesserungsabsicht. Das Wort assoziiert man mit ungebildeten, faulen, ja eben armen Menschen, die hierher in unser (!) Deutschland kommen, unsere Sozialkassen ausnehmen, ohne je etwas eingezahlt zu haben, und somit unser Sozialsystem zum kollabieren bringen. „Für diese faulen Armen soll ich all meine Steuer zahlen? Nie und nimmer!“, meint da so mancher besorgter Bürger.

Das ist es doch, womit man „Armutsmigration“ verbindet. Ein klassischer rechtspopulistischer Kampfbegriff also? Damit konfrontierte ich Ex-AFDlerin Petry, die mir auf diesen Vorwurf jedoch nur mit einem plumpen „Wie soll man es denn sonst nennen?“ den Ball zurückwarf. Wie man Migration nennen sollte? Migration eben. Aber bitte ohne Präfix, der Szenarien impliziert, die so gar nicht der Realität entsprechen. Beispielsweise sprach sie von einem Berliner Gymnasium mit einem Moslem-Anteil von über 80 % und dass „solche Probleme in Zukunft eben auf uns zukämen“. „Merkels Grenzöffnung 2015“ war ihrer Meinung nach ja auch komplett illegal.

An diesem Abend stimmte mich so Vieles einfach nur sprachlos. Aber so ist das wohl, wenn man sich einen Vertreter oder eine Vertreterin einer komplett entgegengesetzten politischen Richtung antut.

Also wie gesagt: auf meine Fragen hatte sie nicht wirklich eine zufriedenstellende Antwort, sondern reagierte (rhetorisch jedoch sehr geschickt) mit Gegenfragen. Auch meine Anschlussfrage, wie sie Migranten, die nun einmal hier in Deutschland sind integrieren wolle, konterte sie mit der Gegenfrage, wie ich es denn geschafft hatte als „Migrant“ damals. Innenpolitische, real umsetzbare Ideen? Wohl eher nicht bei diesem Thema. Stattdessen Angstmache und Schwarzmalerei.

Zusammengefasst war der Abend für mich eher enttäuschend. Nicht nachvollziehbar ist und bleibt für mich das Welt- und Menschenbild, das unterscheidet in ein „wir“ und „die anderen“.

Vielleicht ist es mein sozialpolitischer Blick als Pädagoge auf die Welt – nennt es von mir aus Gutmenschentum -, doch ich glaube, dass Menschen aus anderen Ländern, egal aus welchen Schichten sie kommen mögen, eine Bereicherung für unser Land sind.

Die Frage ist doch nicht ob, sondern wie wir Menschen mit Migratonsgeschichte in unsere Gesellschaft integrieren. Wie schaffen wir es, dass sie so schnell wie möglich die deutsche Sprache erlernen? Wie schaffen wir es, dass sie ihren Beruf, den sie in ihrer Heimat erlernt haben, auch hier ausüben können? Wie schaffen wir es, dass sich keine „Slums“ bilden, sondern Migranten, sowie Deutsche, die Möglichkeit haben, sich im Stadtteil ihrer Wahl die Miete leisten zu können (Stichwort Wohnungspolitik)? Wie schaffen wir es, Migranten Kultur und Teilhabe zu ermöglichen? Und ja: welchen Teil können wir beitragen, dass es in den Ländern vor Ort weniger scheiß Kriege und Korruption gibt, die wir mit unserer Außen- und Exportpolitik teilweise mitzuverantworten haben.

Das sind doch die dringenden politischen Aufgaben, die auf unsere Gesellschaft zukommen und nicht die Schwarzmalerei, die ich mir zwei Stunden lang in der Alten Handelsbörse antun musste. Zum Glück kann ich mir meine Filterblase, in der ich leben möchte, selbst aussuchen. Ab und an daraus auszubrechen und auch mal kontroverse politische Meinungen zu hören, kann dennoch sehr lehrreich sein. Für Sie getestet!

An dieser Stelle sei die Reportage „Frauke Petry – Aufstieg, Fall und Jetzt“ (die heute aktuell erschien) in der ARD Mediathek wärmstens empfohlen.

Bis bald. Tschöö.

Fotos sinnvoll archivieren

Die älteren von uns kennen sicher noch das Gefühl in Bilderalben herum zu blättern und kleine nostalgische Momente zu erleben. So ähnlich erging es mir bei der Durchforstung meines Blogs, kurz bevor ich ihn wiedereröffnet habe. Schließlich mussten über 1.000 Einträge auf privat umgestellt werden. Anfangs noch per Hand und nach etwa der Hälfte mit einer wordpressintegrierten Masseneditierungsfunktion ……… ich Depp.

Jedoch hat sich das nicht mal unbedingt wie Zeitverschwendung angefühlt, sondern eher wie ein wunderbares, stundenlanges Schwelgen in alten Zeiten. Da kamen Blogeinträge zu Tage, Freunde … ich sag’s euch. Vielleicht stelle ich das ein oder andere besondere Exemplar irgendwann mal wieder online.

Irgendwie ein bisschen traurig, dass ich mein Leben auf diese Weise in den vergangenen Jahren nicht so dokumentiert habe. Man vergisst so viele schöne, kleine Momente, die ein Blog oder Fotoalbum oder Sonstwas einfach wunderbar konservieren können.

Mit den Fotos ist das ja heutzutage auch so ein Problem. Sind sie einmal mit dem Smartphone geschossen, versinken sie in der Foto-Roll. Statistisch gesehen zerlege ich zudem auch noch jedes Jahr mindestens ein Handy und weil ich nicht so der Cloud- und Backup-Typ bin – wäre ja Quatsch -, sind massenweise Bilder verloren.

Stellt sich die Frage, wie man Fotos am besten so archiviert, dass sie eines Tages auch mal sinnvoll durchschaubar sind. (Ich sage nur Selfie-Session: Niemand will sich in 10 Jahren die 347 Bilder anschauen, die ich geschossen habe, um ein (in Zahlen: 1) vernünftiges Instagram-Bild zu generieren.) Achja und aufwendig darf der ganze Archivierungs-und Ordnungsprozess natürlich auch nicht sein. Da gibt’s doch mittlerweile ne App für, oder? :D

Bis bald. Tschöö.

Unter diesen Beitrag bitte unbedingt kommentieren!

Ich habe gerade einen gravierenden Fehler gemacht. Einen Fehler, von dem ich behauptet hätte, ihn niemals zu begehen, weil ich ja weiß, wie offensichtlich sinnlos und dumm die Idee ist. Aber heute habe ich mich dann doch aus fadenscheinigen Gründen zu folgendem Fehlverhalten entschieden: ich habe die Kommentare eines Facebook-Posts gelesen und mich zum mitdiskutieren mitreißen lassen.

Der Titel des Artikels lautete „21-Jähriger setzt sich in Leipziger Asylunterkunft mit Messer auf Fensterbrett und droht zu springen“. Es scheint evident zu sein, dass heutzutage darunter Kommentare wie „hätten sie ihn mal lieber springen lassen“ fast schon in der Mehrheit sind. Kollektiver Hass. Entsetzt fing ich also an einen Kommentar nach dem anderen zu widersprechen. Was ich voraussetzte ist ethisch-moralisches und sozialpolitisches Grundwissen. (Memo an mich selbst: PAHAHAHAHA!)

Jetzt, zwei Stunden später, bin ich sowas von SCHEIßE AGGRESSIV, kann ich euch sagen, dass ich der Menschheit einfach nur noch den Tod wünsche. Entschuldigt mich bitte … ich muss mal eben was kaputt schlagen gehen.

Wenn ich nochmal auf die Idee kommen sollte mich im Internet mit irgendwelchen rechten Trollen anzulegen, möge man mir bitte den Rechner wegnehmen, bevor ich schon wieder sinnlos zwei Stunden Lebenszeit verschwende. Danke für die Mitarbeit.

PS: https://www.facebook.com/notes/ichbinhier-der-verein/offener-brief-an-online-redaktionen-und-journalisten/1130052927158458/

Bis bald. Tschöö.

Warum ich kein Whatsapp mehr nutze

Warum ich kein Whatsapp mehr nutze? Darum. Eigentlich könnte ich den Blogpost an dieser Stelle beenden, aber heutzutage muss man sich ja schon fast rechtfertigen, wenn man kein Whatsapp bzw. Facebook mehr hat oder gar noch nie dort angemeldet war.

Die Erklärung ist im Grunde kurz und bündig: Zeitersparnis. Mal ehrlich: Instant-Messaging, also das ständige erreichbar sein – egal ob am PC, Tablet oder Handy – ist heutzutage schon normal geworden. Ständig hängt man nur noch im Internet und schreibt sich Nachrichten, anstatt das Problem in einem fünfminütigen Gespräch zu klären.

Meine Forderung: man sollte auf seinem Handy auch mal kein Whatsapp haben dürfen und aufpoppende Nachrichten am iPhone bewusst ignorieren, wenn man mal seine Ruhe haben will. Vor allem in Gesellschaft finde ich es immer total grausam, wenn jeder permanent auf seine Technik glotzt. Es muss auch mal ohne gehen. Oder etwa nicht?

Bis bald. Tschöö.

Das ESC-Gefühl

Der Eurovision-Songcontest ist viel mehr als ein Gesangswettbewerb. Er verbindet Nationen, ist ein Lebensgefühl und nicht zuletzt ziemlich schwul. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich früher nicht bis zur Entscheidung wach bleiben durfte. In unserem kleinen Gartenhaus mit einer wirklich schlechten Satellitenverbindung schauten meine Eltern im Wohnzimmer und auch ich konnte aufgrund des Großereignisses nicht einschlafen und lauschte den Klängen des Nebenzimmers, dass nur durch einen Vorhang abgetrennt war. Guildo Horn? Oh nein. Und der glitzernde Stefan Raab? Peinlich! Dennoch alles Kult!

Trotz der jahrelangen schlechten Bilanz für Deutschland verlor man nicht die Lust am Schauen. Echte ESC-Fans sind treu. Und spätestens seit Lena ist auch jeder Durchschnittsfernsehschauer wieder voll dabei. Dieses Jahr macht (trotz Abwesenheit ProSiebens) sogar der Vorentscheid Freude, weil das Ganze von der großartigen Anke Engelke moderiert wird. Alle Jahre wieder … ein tolles Fernseherlebnis.

Achja: mein Liebling dieses Jahr ist Mia Diekow. Auch wenn sie mit aller Wahrscheinlichkeit nicht nach Malmö fahren wird.

Bis bald. Tschöö.

Aleks denkt nach!

Hallo, nach langer Überlegung starte ich hier nun doch eine neue Podcastreihe. „Aleks denkt nach“ wird sie heißen und was sich dahinter verbirgt, erfahrt ihr in der Folge 0 – einer Pilotausgabe dieser neuen Sendung. Feedback und Kritik ist wie immer gerne erwünscht.

Seltsame Heteros

Hetereosexuelle Männer kann man im Grunde genommen in drei Schubladen unterteilen:

a) der Homophobe
Die eher unangenehme Schublade, die man eigentlich mit einem zehnstelligen Sicherheitscode verschließen wöllte. Der Homophobe hasst schwule aus unterschiedlichsten Gründen. Entweder hat er Angst vorm Fremden, ist selbst latent schwul – kann sich aber nicht outen und muss deshalb mit Testosteron und schwulenfeindlichen Aussagen um sich werfen – oder er wurde durch Familie, Freunde und weiteres Umfeld homophob sozialisiert.

b) der Akzeptante (oder Akzeponkel)
Um das mal klar zu stellen: zwischen Toleranz („Ja, sei du mal schön schwul, aber halte dich bloß von meinem Popo fern!“) und Akzeptanz („Du bist schwul? Und warum hattest du gleich nochmal bedenken mir das zu sagen? Ist doch etwas ganz normales.“) liegen mindestens dreihundertvierundachzig Welten! Die Akzeptanzschublade ist toll. Noch nicht jeder Hetero kann von sich behaupten sich hier einsortieren zu können, aber unsere Gesellschaft ist auf einem guten Weg.

c) der „Ich bring‘ dich komplett durcheinander“-Typ
Ja, es gibt so etwas wie einen Gaydar. Jeder Schwule versucht in einem Sekundenbruchteil (teils unterbewusst) abzuchecken, ob das Gegenüber ein potentieller Partner sein könnte oder doch lieber Muschis krault (also die Haustiere…die Katzen…ihr wisst schon). Doch auf der Party gestern begegneten mir wieder einmal zwei Jungs, die wohl noch nicht so recht wussten, wen oder was sie toll finden. Er (hat eine Freundin) und Er² (single) befummeln sich ständig und machen mehr als anzügliche Bemerkungen, was meinen Gaydar komplett aus dem Konzept gebracht hat. „KRABUMM!“, das Mainboard meiner schwulen Rechenzentrale ist hinüber. Wie kann man den ganzen Abend so schwul tun ohne es tatsächlich zu sein? Zu kompliziert für mein Weltbild, das bisher nur zwischen Hetero-Typ a) und b) unterschied. Soll das nun eine Anspielung von wegen „Hej ihr zwei, wir beiden würden uns auch gerne mal ausprobieren“ sein oder machen die sich gerade über uns lustig? Ich schätze eher ersteres. Ungeoutete Bi-Männer, die mit ein klein wenig Alkohol alles mit sich machen lassen würden. Oh … Kopfkino aus. Kopfkino aus!!

Bis bald. Tschöö.

Bahnhofsidylle

„Vorsicht bei der Einfahrt am Gleis 1.“ Eine gewisse Romantik hat das alles hier ja schon. Der Schaffner spuckt in seine Pfeife, die Türen schließen sich piepsend, der Zug fährt mit rauschendem Krabumm los.

Einfach einsteigen und überall auf der Welt hinfahren können. Dieses klitzekleine Gefühl der Freiheit – oder zumindest dessen theoretische Möglichkeit – und gleichzeitig dieses „Hier bin ich Daheim“ hat mich schon immer fasziniert. Nirgendwo anders hat man Heim- und Fernweh zugleich.

Mindestens 30 mir fremde Menschen steigen aus dem Zug, der gerade eingefahren ist. Wo die wohl herkommen? Ob sie hier wohnen oder dieser Bahnhof nur eine Zwischenstation für sie ist? Wer sind diese Menschen, was machen sie beruflich? Der hier ist doch ganz bestimmt schwul.

Junge, junge.

„Sehr geehrte Damen und Herren, herzlich Willkommen in Plauen / Hauptbahnhof.“ Hachja…home sweet home.

Bis bald. Tschöö.