Gibt es noch private Blogs?

Hej, vielleicht bin ich mit dieser Frage etwas spät dran. Ich meine: wir leben in 2020 und Blogs sind mittlerweile wahrscheinlich schon längst tot und durch irgendwelche Social Media Giganten ersetzt. Aber ich bin noch so ein altes Web 2.0 – Kind und damit total begeistert von der Idee, sein eigenes digitales Werk zu schaffen. Wenn man es mal von der datenschutzrechtlichen Seite betrachtet, ist es eh eine gute Idee, seine eigene Seite aufzulegen und nicht all seine Daten allein bei den großen Tech-Riesen zu lassen.

Naja, die Frage ist im eigentlichen Sinne der Versuch, die aktuelle Blog-Landschaft, falls es sowas noch gibt, zu verstehen und gleichzeitig wieder etwas ins Schreiben zu kommen.

„Gedankenmitschnitt“ – so heißt die Kategorie, in die ich gerade poste und wer meinen Blog schon länger verfolgt (wo ist die Zeit seit 2003 nur hin??), der weiß, dass ich das eine Zeit lang hier mal mehr, mal weniger intensiv betrieben habe. Aleks-Blog war über Jahre ein typischer, privater Blog, indem ich tagebuchähnlich eigentlich alles reingetippt habe, was mir so in meinem Leben widerfahren ist. Ich habe Beziehungen verarbeitet, Reisetagebuch geführt, meine Ups and Downs meiner Schülerdaseins reflektiert, Link-Tipps gegeben und meine ganzen wirren Gedanken versucht irgendwie mal mehr, mal weniger struktuiert nieder zuschreiben. 

Wie das Leben nun mal so ist: die Sturm-und-Drang-Zeit ist vorüber, man bloggt weniger und lebt mehr. Kommt vor. Die Leserzahlen steigen und irgendwie überlegt man sich nun zweimal, ob man sein Leben wirklich bis ins letzte Detail posten soll oder nicht. Selbst heute bekomme ich noch ab und an gespiegelt, „wie toll es war, an meinem Leben teilhaben zu können und OMG ich war voll der Fan deines Blogs und du hast doch das perfekte Dorf-Gay-Life gelebt.“

Die Beiträge werden weniger, weil man sich irgendwie nicht mehr traut, so viel Privates zu veröffentlichen und die Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Blogs werden stetig mehr.

Der Todesstoß für diesen Blog kam dann schlussendlich 2014, nachdem ich meine Ausbildungen beendet hatte und auf Jobsuche ging. Prophylaktisch stellte ich für eine längere Zeit den kompletten Blog offline und das blieb für mehrere Jahre so. Googlende Chefs und Kollegen sollten schließlich nicht die kompletten letzten 10 Jahre meines Lebens kennen (mit seinen Höhen, aber halt auch mit seinen Tiefen).

Ein paar Jahre verliefen im Sand. Es folgten mehrere Versuche wieder mit dem Bloggen zu beginnen. Die alten Beiträge schalte ich nur nach und nach frei und auch nur ausgewählte. Die meisten Leser sind auch verschwunden, die ganzen „Feedreader“ von früher, die meine Beiträge sonst in die Timelines pushten, existieren nicht mehr (R.I.P. Google Reader). Eigentlich ein guter Ausgangspunkt: weniger Leser bedeutet, dass ich mir nicht mehr so viele Gedanken machen muss und das wiederum löst meine Schreibblockade.

Denn dass mir das Schreiben hilft und auch ganz viel Kreativität in mir auslöst, das hab ich schon 2003 bemerkt. Vielleicht nutze ich die Chance, hier wieder ein bisschen aktiver zu werden und in der Masse des online publizierten Wahnsinns unterzugehen. Vielleicht war dies aber auch nur der dreißigste Versuch wieder mit dem Bloggen anzufangen und ihr hört wieder eine halbe Ewigkeit nichts von mir. Wir werden sehen.

Ich sag‘ trotzdem mal:

Bis bald. Tschöö.

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