Woran merken wir, dass wir leben?



Kennt ihr das Gefühl von Betroffenheit, wenn ihr von einem tragischen Ereignis erfahrt? Egal ob ein Terroranschlag in zwei Türme, ein Amoklauf an einer Schule oder ein prominenter Todesfall. Obwohl man die Menschen eigentlich gar nicht wirklich kannte, fühlt man sich schlecht und man merkt mal wieder, wie schnell das Leben doch vorbei sein kann.

Heute Morgen ist ein Schüler meiner ehemaligen Schule gestorben, nachdem er gestern im Plauener Stadtbad leblos aus dem Wasser geholt und zunächst erfolgreich reanimiert werden konnte. Er fiel ins Koma und starb.

Nicht irgendwo. Nicht tausende Kilometer entfernt. Nicht irgendwer, sondern unglaublich nah…an meiner ehemaligen Schule. Mein Freund ging mit ihm sogar in zwei gemeinsame Kurse. Es ist immer so schwierig so ein Gefühl zu beschreiben, weil sich auf einmal ganz viele Emotionen miteinander vermischen. Trauer, Betroffenheit, Schock.

Doch warum eigentlich? Warum macht mein Körper das mit mir, obwohl er schon tausende Tote im Fernsehen gesehen hat und ich schon einen toten Menschen selbst auffinden musste (beruflich)? Bin ich doch nicht so abgestumpft, wie ich immer dachte? Eigentlich könnte ich den Vorfall wieder vergessen und mir positivere Gedanken machen. Doch irgendwie kreist die ganze Geschichte immer wieder durch meinen Kopf.

Heute morgen kam eine Klassenkameradin in die Schule und meinte, dass sie gestern schwimmen war und jemand mit dem Rettungswagen abgeholt wurde. Und vorhin schreibt mir mein Freund, dass ein Junge seiner Schule tot ist. Jetzt sitze ich hier und denke über das Leben nach.

„Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“, heißt es auf der Homepage meiner ehemaligen Schule. Das Leben.

Bis bald. Tschöö.

8 Gedanken zu „Woran merken wir, dass wir leben?

  1. Dennis Hofmann

    Hallo Aleks,
    dieses Gefühl kenne ich nur zu gut!
    Vor einigen Tagen ist bei uns ein 17. jähriger Junge gestorben den ich nur vom sehen her kannte… Das hat mich die ganzen Tage beschäftigt und mir ging es wie dir. Ich habe darüber sehr viel nachgedacht…

    Ich glaube, dass auch wenn man vielleicht sehr abgehärtet sein mag, der Mensch immer eine mitfühlende Seite hat, egal ob man in diesem Falle die Person kennt oder nicht.

  2. Tom

    ja es ist immer schlimm wenn ein mensch geht, vor allem durch solche tragischen umstände.
    es war wohl ein tauchunfall.
    mich macht so etwas auch immer sehr betroffen, egal ob ich den menschen kenne oder nicht.
    vor allem macht es mich betroffen, wenn ich keinen sinn darin sehe, warum dieser junge mensch sein leben verloren hat.
    er ist nun leider tot und für seine familie und seine freunde wird nichts mehr so sein wie es bis zum dienstag war…

  3. Aleks Artikelautor

    @Dennis ohje, dann kannst du ja gerade wirklich mitfühlen
    @Tom für die eltern muss es tatsächlich gerade extrem schwer sein. musste gestern auch an sie denken. oh man.

  4. Nick

    Also, laut Schulpfarrer seien die Eltern relativ gefasst. Der Vater ist selber Pfarrer.
    Aber ich kann mir irgendwie nicht wirklich vorstellen, dass die Mutter nicht total aufgelöst ist und irgendwas in die Richtung. Ich meine, jede Mutter ist wohl in so einem Fall total am Ende!

  5. Tyzmon

    Ich hab bisher auch eine einzige Tote Person in meinem Leben gesehen, auch beruflich. Ganz nahe, habe sie sogar berühren müssen. Aber das ging an mir vorbei und ich habe nie darüber nachgedacht. Aber so abgestumpft kann ich nicht sein, das weiß ich. Auf den Moment, es auf die Probe zu stellen, möchte ich dann jedoch nicht warten.

  6. Tom

    ich musste vor 5 jahren abschied von meinem aufgebahrten vater nehmen, der mit nur 62 jahren an krebs gestorben ist. ich hatte mir vorgenommen, ganz stark zu sein, aber mich hat es TOTAL weggeräumt dabei, bin zusammengebrochen. ich denke, so wird es jetzt seinen eltern gehen…die armen…

  7. Ty

    Der Artikel ist schon älter, aber es könnte dennoch passen: 
    Bei dem Tod eines Menschen brechen Gefühle auseinander, Trauer, Schmerz, Sehnsucht und Reuhe vermischen sich chaotisch. 
    Aber was ist, wenn ein Mensch – ein Jugendlicher – den Freitod wählt? Ich empfinde das noch VIEL schlimmer als alles andere. Ich kannte jemanden aus einer Brieffreundschaft, aber als ich zwei Wochen nichts mehr hörte wurde ich ungeduldig – und musste erfahren, dass sich dieser Mensch das leben genommen hatte. Niemand weiß warum. 
    Trauer fegt einen weg. 
    Jemals über das Wort “liebenswert” nachgedacht?

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