Manchmal bin ich dumm. Sehr dumm. Um nicht zusagen strohdoof. Da ist man eine halbe Stunde mit dem Zug gefahren nur um IHN zu sehen und IHM zu sagen, wie sehr man IHN liebt und dass verdammt nochmal alles wieder gut werden soll – so wie früher – und dann … Stille, kein Sterbenswörtchen. Der Mund wie zugefroren. Jede Sekunde wartet man darauf, dass er etwas sagt. Bitte sag doch was. Bitte.
Nichts.
Zum Abschied ein dürftiges “… na dann … wie du meinst …” und schon war er hiner der nächsten Ecke verschwunden.
Einige Minuten später lief ich durch eine wildfremde Stadt, unbeleuchtete Straßen, überall weihnachtliche Lichterketten an den Fenstern, feierliche Stimmung, familliäres Glück – mir kommt es so vor als wenn ich der einzige unglückliche Mensch auf Erden wäre. Immer wieder höre ich dieses eine Lied von Liebe, Zärtlichkeit und Zweisamkeit auf meinem MP3-Player. Alles das, was ich gerade nicht habe, schon lange nicht mehr hatte und nie mehr haben werde.
Immer wieder begegne ich einzelnen Menschen und erschrecke, wenn sie aus dem Dunkeln hervorkommen. Schon fast halb 11. Zwei Stunden vergingen wie im Flug, dabei habe ich fast gar nichts gemacht. Ich bin nur gelaufen, gelaufen und gelaufen. Irgendwelche Straßen entlang. Weiß nicht mal mehr welche. Bin einfach gelaufen, wohin es mich gerade trieb. Bis ich schließlich tränenüberströmt am Bahnhof angekommen bin, um den nächsten Zug nach Hause zu erwischen.
5 Tage vor Weihnachten.
Bis bald. Tschöö.
