
Vielen Dank an Felix für die Idee zu dieser kurzen Geschichte.
Hallo liebes Tagebuch, heute ist der 12. Mai 2038. Nun blogge ich mittlerweile schon seit 30 Jahren, aber so ein mieser Tag wie heute ist (soweit meine Blogsuche und mein Gedächnis ausreicht) echt noch nie vorgekommen. Nicht dass ich miese Tage nicht gewöhnt bin – entweder ich komme mal zu spät zur Arbeit, ich bin erkältet oder irgendetwas funktioniert nicht, wie man es möchte – doch, um Gottes Willen, nicht alles auf einmal.
Heute Morgen hat mein Bett ohne erkennbaren Grund gepiepst und lautstark nach einem neuen Akku gefordert, welchen ich eigentlich schon vor ein paar Tagen gewechselt habe. Man bedenke, dass es mitten in der Nacht war und sich meine Freude somit sehr in Grenzen hielt. In letzter Zeit habe ich sowieso das Gefühl, dass mein Bett einen kleinen Schaden hat: vorgestern ist es mitten in der Nacht einfach mal zusammengeklappt und ich habe erst einen Techniker rufen müssen, der mir nach zwei Stunden alles wieder zurecht programmiert hat. In diesen Momenten wünsche ich mir echt ein normales Holzbett zurück, anstatt diesen hochmodernen, jedoch sehr labilen Cybot-Betten.
Auf jedenfall hat es gepiepst und gepiepst … und gepiepst. Also habe ich mich natürlich, wie immer in dieser Situation, ersteinmal an meinen PC gesetzt und mich mit meinem Schlafgemach verbunden. Schnell stand fest, dass es einfach nur ein bisschen zu sehr belastet war. “Man ist mein Bett bescheuert”, dachte ich mir, indem ich meinen Gefühlen freien Lauf lies und so laut wie ich konnte “Penner!!” gerufen habe – warum auch immer. Wutentbrannt schaltete ich den PC aus, nahm meinen Hund (30 Kilo schwer, meine Mutter meint es immer ein bisschen zu gut mit Fetti, wie ich sie .. äh .. ihn [den Hund] gerne nenne) vom Bett und legte mich wieder schlafen. Eine Alternative wäre gewesen das Piepsen einfach zu ignorieren, aber einen Tinitus kann ich in meinem Zustand nicht auch noch gebrauchen. (Im Traum erinnerte ich mich an die ReadMe-Datei, in der stand, dass das Bett nur für 80 Kilo ausgelegt sei.)
Das kommt halt davon, wenn man Google als stärkste Partei in den Bundestag wählt. (Hm .. ist eine andere Geschichte.) Wie auch immer, auf jedenfall spinnt derzeit meine Technik und ich könnte für richtigfunktionierende Geräte regelrecht morden. Nicht einmal die Uhrzeit zeigt mir das dumme, digitale Viech hier an. Ja Viech … ich weiß nichtmal mehr, wie die verschiedenen Computer in diesem Drecksladen heißen, geschweige denn wozu sie überhaupt da sind.
Was ich dir eigentlich nur sagen möchte ist – liebes Tagebuch – dass es in meinem Leben nur noch elektronische Geräte gibt, die mein Leben komplett beeinflussen – und alle haben bisher entweder irgendeine Fehlermeldung ausgespuckt, sind in Flammen aufgegangen oder taten genau das, für was sie eigentlich gar nicht programmiert worden sind. Sprich: Sie erschweren meinen Alltag, anstatt ihn zu erleichtert … und das schon seit Jahren. Außer du. Du hast bisher immer treu meine Lebensgeschichte ausgespuckt und meine Beschwerden ohne “wenn und aber” entgegengenommen, ohne aus einem “ö” ein “o” zu machen oder nur eine weiße Seite anzuzeigen.
Und nun sitze ich hier – vor meinem defekten Toaster, höre im Radio “Stop & Go, nix geht mehr, die Ampeln in folgenden Städten sind heute schrott…” – und schreibe diesen Tagebucheintrag zu deiner Ehren. Ja, du bist gemeint. Denn du bist das einzigste, was noch nie in irgend einer Weise kaputt war. Danke – liebes Tagebuch – denn du machst mich (zumindest solange bis mich das Bett irgendwann umbringt) zu einen der wenigen Menschen, die noch ein nichtkaputtbares Teil im Haus haben, in einer Welt voller Elektronik und Digitalität. Danke, dass es dich gibt. Danke, danke, danke. Bis bald. Tschöö.
Die würde ich gerne hören^^
Tolle Geschichte! Aber mein Holzbett (eigentlich ist das ja ein Wasserbett ?!) bleibt! :O